Im Sog des Wohlstands

Da Süddeutsche Zeitung l Weil sie zu Hause kaum noch Jobs finden, arbeiten immer mehr Italiener jenseits der Grenze im Tessin. Dort besetzen sie zunehmend höher qualifizierte Stellen – und die regierenden Rechtspopulisten versuchen, die Pendler zu bremsen. Ein Tag an der Grenze verrät viel über die Südschweiz, die sonst so oft vergessen wird.

Chiasso – Um fünf Uhr morgens ist die Welt am südlichsten Punkt der Schweiz noch in Ordnung. Die Schlange der Autos, die von Italien in den Norden fahren, wird immer länger, kleine, knatternde Fiats schieben sich an den beiden Grenzwäch- tern in blauer Uniform vorbei. Jeder Fah- rer wird aufmerksam gemustert. Fällt den Beamten etwas auf, ein neues Gesicht auf der Rückbank, ein Kennzeichen, das sie noch nie gesehen haben, heißt es: anhal- ten, Papiere vorlegen. Während die Namen durch die Datenbank laufen, werden SMS verschickt. „Mit dem neuen Wagen unter- wegs, direkt angehalten worden. Sind in 10 Minuten da.“ Falls es länger dauere, habe man ein Formular für die Arbeitgeber, sagt Davide Bassi, Sprecher der Tessiner Grenz- wache. „Wenn jemand zum Beispiel 45 Mi- nuten hier warten muss, weil wir sein gan- zes Auto kontrollieren, braucht er das.“
Ein Grenzübergang mitten in Europa, 13 000 Fahrzeuge im täglichen Durch- schnitt, allein in Chiasso, einem ruhigen Städtchen ganz im Süden der Schweiz. An diesem Montag im September sind es noch einmal deutlich mehr. Montags, sagt Bassi, kommen auch all jene, die werktags in der Schweiz wohnen und erst am Freitag zu- rückkehren.
Und während die Grenzen in der Umge- bung offen sind, beschäftigen die restrikti- ven Kontrollen der Schweizer Grenzwache inzwischen auch die Europäische Union (EU). Immer wieder wurde der Schweiz vor- geworfen, sich nicht an das Schengen-Ab- kommen zu halten und die Grenzen zu scharf zu bewachen.

Er verdiene in der Schweiz dreimal so viel wie in Italien, erzählt ein Motorradfahrer

300 000 Grenzgänger arbeiteten im zweiten Quartal 2015 in der Schweiz, 70 000 von ihnen sind Italiener. Vor drei Jahren waren es noch 61 000. Jeder vierte Erwerbstätige im Kanton Tessin kommt aus dem südlichen Nachbarland, wo die Ar- beitslosigkeit bei gut 12 Prozent liegt. Im Tessin betrug die Quote im August 3,4 Pro- zent. Seit Jahrzehnten sind die Grenzgän- ger das bestimmende Thema in dem klei- nen Kanton, auch jetzt, vor den National- ratswahlen im Oktober, wird mit ihnen Po- litik gemacht.
Die rechtspopulistische Lega dei Ticine- si ist mit 28 Prozent Wähleranteil stärkste Kraft in der Kantonsregierung. Die Grenze zu Italien ist ihr wichtigstes Thema.
Deutsche, Franzosen und Italiener kom- men vor allem aus einem Grund zum Arbei- ten in die Schweiz: „Ich verdiene hier drei- mal so viel wie in Italien“, sagt ein etwa 40-jähriger Motorradfahrer, während ein sei es wert. Er hat eine kleine Tochter und eine Frau, auch sie sucht inzwischen nach einer Stelle in der Schweiz. Der Motorrad- fahrer hat studiert, Ingenieurwesen. Er spricht englisch, französisch, italienisch, ein paar Worte deutsch. So bald wie mög- lich möchte er mit Frau und Kind ins Tes- sin ziehen. Nicht nur das Gehalt, auch die beruflichen Chancen seiner Tochter seien dort besser.
„Schauen Sie mal auf die Uhr“, sagt Grenzwächter Davide Bassi. Kurz vor halb sieben. „Ganz früh am Morgen kommen diejenigen, die auf dem Bau arbeiten. Da sieht man kleine Autos, einige Fahrgemein- schaften. Jetzt ist das schon ganz anders.“ Bassi deutet auf die Fahrzeuge. Statt rosti- gen Kleinwagen rollen mittelgroße Kom- bis mit bunten Bildern an den Scheiben vor- bei. Sponge Bob Schwammkopf, Mickey Mouse, die Simpsons, Kindersitze. „Da hat sich viel verändert in den letzten zwanzig Jahren“, sagt Bassi. Früher seien die Italie- ner fast nur in einfachen Berufen beschäf- tigt gewesen, meistens auf Baustellen. „Sie haben diesen Kanton aufgebaut. Straßen, Gebäude, Brücken und so weiter.“ Dass sie nun auch in Banken, Versicherungen und Ingenieursbüros arbeiten, ist für Bassi ei- ne normale Entwicklung.
Mit gerade 350 000 Einwohnern ist das Tessin eine Insel – der kleine italienisch- sprachige Kanton der Schweiz, der immer wieder vergessen wird. Hier gelten andere Regeln als im Rest der Schweiz. Erst im Ju- ni hat eine Initiative das wieder gezeigt: 55 Prozent der Tessiner votierten für den von den Grünen vorgeschlagenen Mindest- lohn – auf Bundesebene war ein ähnlicher Vorschlag 2014 gescheitert.

Auch an einer anderen Gesetzes-Änderung sind die Tessiner maßgeblich betei- ligt. Als die Schweizer im Februar 2014 über die sogenannte Masseneinwande- rungsinitiative abstimmten, fiel das Ergeb- nis knapp aus: 50, 3 Prozent der Schweizer Bürger stimmten für eine Steuerung der Einwanderung mittels Kontingenten. Das Tessin, wo fast 70 Prozent „Ja“ ankreuz- ten, spielte dabei eine entscheidende Rol- le. Seither verhandelt der Schweizer Bun- desrat mit Brüssel, wie es das Votum seiner Bürger mit den bilateralen Verträgen in Einklang bringen könnte. Eine Lösung ist nicht in Sicht.
Die Angst, den Arbeitsplatz an junge, gut ausgebildete und günstige Ausländer zu verlieren, ist nicht auf das Tessin be- schränkt. In der Schweiz gilt Kündigungs- freiheit, Arbeitnehmer können ohne Anga- be von Gründen gekündigt werden. Gera- de ältere Arbeitskräfte mit hohen Lohnan- sprüchen leiden darunter, auch in der Deutschschweiz und im französischspra- chigen Westen des Landes.
Dennoch ist die Situation im Tessin eine andere: Zwischen der Schweiz und Italien ist das Lohngefälle besonders groß – und im Landesvergleich zur Spitzengruppe – das verfügbare Einkommen eines Haus- halts liegt deutlich unter dem schweizeri- schen Durchschnitt.
Hierfür die Grenzgänger verantwortlich zu machen, die im Durchschnitt etwa 1000 Franken im Monat weniger verdienen als ein einheimischer Arbeiter und noch im- mer einen Großteil der wenig attraktiven Arbeiten erledigen, ist einfach. „Unsere Wirtschaft braucht die Grenzgänger“, sagt Davide Bassi. Ohne die Arbeitskräfte aus Italien müsste man Fabriken schließen und im Ausland produzieren. Das sagen viele Tessiner Firmenchefs ganz offen.

Die Jugendarbeitslosigkeit im Tessin ist verglichen mit Italien auf einem traumhaften Niveau

Auch Norman Gobbi, Tessiner Regierungspräsident und Mitglied der Lega dei Ticinesi, sagt, der Kanton brauche die Grenzgänger. Allerdings deutlich weniger als bisher: Die Zahl müsse „unter 40 000 sinken“, findet der Politiker.
Am liebsten sieht Gobbi die Italiener of- fenbar in jenen Berufen, die sie seit Jahr- zehnten im Tessin verrichten – als Bauar- beiter, Kellner, Putzkräfte. Ihm missfällt die „unfaire Konkurrenz“, die Italiener den Schweizern in anderen Sektoren machten.
„Heute arbeiten Italiener in Banken und Anwaltsbüros, sie kommen als Informati- ker, Ingenieure und Treuhänder hierher“, sagt Gobbi. Für die Tessiner, die „traditio- nell in diesen Berufen arbeiten“ sei das ei- ne unzumutbare Situation. „Unsere Jungen finden keine Arbeit mehr, unsere Älte- ren werden aussortiert“, klagt Gobbi.
Außerdem machten die billigen Arbeits- kräfte Druck auf die Löhne. Norman Gobbi sagt: „Wer an der ETH Zürich zum Ingeni- eur ausgebildet wurde, kann mit 6000 Franken Einstiegslohn rechnen. Wer dage- gen in Mailand Ingenieurswissenschaft studiert hat, geht vielleicht mit 1200 Euro nach Hause.“
Von so großen Unterschieden sprechen sonst nur wenige. Doch dass Italiener in der Schweiz zu Niedriglöhnen angestellt werden, dafür gibt es genug Beispiele.
Sie illustrieren auch, wie groß die Unter- schiede zwischen Deutschland und der Schweiz sind: Neun Franken (etwa 8,30 Eu- ro) Stundenlohn für Hilfsarbeiter, 2000 Franken (etwa 1800 Euro) Monatslohn für Informatiker. Solche Schlagzeilen sorgen im Tessin für größte Aufregung. Denn klar ist auch: Wer so wenig verdient, kann kaum in der Schweiz leben.
Die rechtspopulistische Lega glaubt, der Tessiner Arbeitsmarkt brauche mehr Schutz, einheimische Arbeitskräfte müss- ten gegenüber Ausländern bevorzugt wer- den. Das ist rechtlich nicht so einfach, wie dem Regierungspräsidenten klar sein dürf- te: Seit April verlangt der Kanton von Grenzgängern, die im Italienischen Fronta- lieri genannt werden, einen Strafregister- auszug – und hat damit eine diplomati- sche Krise ausgelöst.
Die „aus Sicherheitsgründen“ getroffe- ne Maßnahme sei nichts anderes als eine weitere Demütigung der italienischen Ar- beiter, offene Diskriminierung und ein Ver- stoß gegen das zwischen der EU und der Schweiz vereinbarte Personenfreizügig- keitsabkommen, befand man im Außenmi- nisterium in Rom. Der Schweizer Botschaf- ter wurde einbestellt.

Auch in Bern war man von der Tessiner Spezial-Maßnahme alles andere als begeis- tert – sie sei ein großes Hindernis in den Steuerverhandlungen mit Italien, hieß es aus dem Finanzministerium. Außerdem sei es ein Fakt, dass damit gegen internatio- nale Verträge verstoßen werde. Doch ob- wohl die Regierung in Bern die Position Ita- liens zu stützen schien, stieß sie im Tessin nicht auf Gehör: Regierungspräsident Nor- man Gobbi erklärte, man werde an dem Strafregisterauszug festhalten. Erst nach monatelangen Verhandlungen gestand er kürzlich ein, die Praxis müsse möglicher- weise anders gestaltet werden.
Die Auseinandersetzung zwischen Bern und Bellinzona sorgte für Schlagzeilen, an die sich die Schweizer inzwischen gewöhnt haben: „Südlichen Unmut besänftigen“, „Tessin reagiert auf Druck“, „Immer wieder Ärger mit dem Tessin.“
Am Grenzübergang in Chiasso zeigt die Uhr fast halb acht. Firmenwagen, Limousi- nen, überdimensionierte SUVs rollen an dem Schild mit der Aufschrift „Frontalie- ri“ vorbei, dazu Fahrradfahrer und Fußgän- ger, auf dem Weg zum nahegelegenen Bahnhof. „Segretario“, Sekretärin, antworten fast alle Frauen, die zu Fuß die Grenze überque- ren, auch Krankenschwestern und Buch- halterinnen sind darunter. Kaum eine ist äl- ter als 35, alle haben es eilig. Der Weg zur Arbeit ist umständlich. Mit dem Bus zur Grenze, dann zu Fuß in die Schweiz, zum Bahnhof, zwanzig Minuten Zugfahrt, dann wieder ein Fußmarsch. Jeder, der die Gren- ze an diesem Montag überquert, scheint zwischen 25 und 40 Jahre alt zu sein. Nicht wenige sprechen akzentfrei englisch, jeder Dritte nutzt den Weg zum Bahnhof, um Te- lefonate zu erledigen.
„Natürlich sind es meistens die Jungen, die zu uns kommen“, sagt Grenzwächter Bassi. Zum einen seien sie mobil und flexi- bel genug, um sich im Ausland zu bewer- ben und zu pendeln, zum anderen sei die Si- tuation in Italien katastrophal. „Die Ju- gendarbeitslosigkeit dort beträgt mehr als 40 Prozent.“
Im Tessin liegt die Jugendarbeitslosig- keit bei knapp sechs Prozent. Im Schweizer Vergleich ein hoher Wert. Im Vergleich mit Italien: paradiesisch.
Dass die Tessiner sich lieber mit der Deutschschweiz vergleichen, ist klar. Man sei „diszipliniert und stur wie alle Schwei- zer“, sagte Norman Gobbi Anfang der Wo- che in der Basler Zeitung.
Diese gestand den Tessinern in dem Arti- kel zwar zu, „in der Sache genauso pingelig und korrekt wie die Deutschschweizer“ zu sein, allerdings erinnere dann doch einiges an Italien, fand das Blatt: Das Wasser im Herrliberg bei Zürich beteiligt ist, sieht das Tessin als Vorbild für die Schweiz. „Selbst ist der Tessiner“ schreiben die Basler mit Bewunderung. Gobbi und seine Mitstrei- ter wüssten sich wenigstens noch zu weh- ren, gegen die ständige Einmischung aus Brüssel und Bern.
Wer auf das Tessin blickt, sieht wie un- ter dem Brennglas, vor welchen Herausfor- derungen die Schweiz im Verhältnis zu Eu- ropa steht: Obwohl sich Sprache und Kul- tur auf den ersten Blick nicht wesentlich unterscheiden, bringen Währung, Preise und Lohn-Niveaus die Menschen auf bei- den Seiten der Grenze auseinander. Die Schweiz wird immer mehr zur Insel der Wohlhabenden – und übt als solche gewal- tige Sogwirkung aus. Gleichzeitig braucht das Land die ausländischen Arbeitskräfte– jung, gut ausgebildet, moderate Gehalts- vorstellungen – dringend. Abschottung ist keine Lösung, weder für das Tessin, noch für den Rest der Schweiz. Und: Schon ge- ringfügige Veränderungen haben in der kleinen Schweiz große Wirkung.

Grenzwächter kontrollieren jeden Zug aus Italien nach Menschen ohne Papiere

Am Grenzübergang zwischen der italie- nischen Stadt Como und Chiasso gibt es an diesem Montagmorgen auch einige, die versuchen möglichst ungesehen über die Grenze zu kommen. Immer wieder halten die Grenzwächter weiße Lieferwagen mit abgedunkelten Scheiben an. Schmuggler, Dealer und Menschenhändler herauszufi- schen, ist das Ziel der Grenzbeamten. „Da- durch, dass die Grenzwächter jeden Mor- gen hier stehen, kennen sie die Gesichter und Fahrzeuge der Pendler sehr gut – falls etwas anders ist, fällt ihnen das auf“, sagt Davide Bassi.
Wenn ein Wagen angehalten wird, hält er sich möglichst fern: „Falls sie tatsäch- lich etwas zu verbergen haben, sind diese Leute nervös und unberechenbar. Deshalb sollte man ihnen nicht zu nah kommen.“
An diesem Morgen sind es nicht wenige Autos mit Kennzeichen vom Balkan, die an- gehalten werden. Obwohl die Schweiz für 2015 nur mit etwa 30 000 Asylbewerbern rechnet, sind es auch hier mehr geworden, jeden Monat sollen etwa 1800 Flüchtlinge über Italien in die Schweiz kommen. „Per- sonen ohne Papiere oder mit gefälschten Dokumenten greifen wir jeden Tag auf“, sagt Bassi, die meisten davon am Bahnhof. Wer von Italien in Richtung Norden fährt, sollte in Chiasso einige Minuten Wartezeit einplanen: Die Grenzwächter kontrollie- ren jeden Zug nach Reisenden ohne Papie- re. Gruppen von Eritreern und Somaliern warten an diesem Montag auf dem Bahn- steig. Auch bei diesem Thema wird das Tes- sin von Rechtspopulisten als Paradebeispiel verwendet.
Es ist halb neun, die Sonne scheint. In Chiasso passiert etwas Ungewöhnliches. Ein Fiat Panda mit Tessiner Kennzeichen fährt langsam davon, in Richtung Italien.

von charlotte theile, 12.09.2015 / leggi il PDF: SüddeutscheZeitung_Chiasso_150912

“Fosse per me sospenderei Schengen”

“Fosse per me sospenderei Schengen”

Da Ticinonews.ch l  Germania e Austria hanno deciso di chiudere le frontiere. Cosa ne pensa il consigliere di Stato Norman Gobbi?

La chiusura delle frontiere adottata da Germania e Austria, dopo l’ondata di profughi che continua a riversarsi in Europa, non ha lasciato indifferente il direttore del Dipartimento delle istituzioni Norman Gobbi.

“La situazione che si sta sviluppando negli ultimi giorni nei Paesi europei ci sta dando ragione” afferma Gobbi, che lo scorso giugno, ricordiamo, aveva paventato la chiusura delle frontiere per far fronte all’emergenza migranti.

La proposta è ancora attuale, chiediamo noi? “Fosse per me lo farei subito, e sospenderei Schengen” ci spiega Gobbi, “ma è una decisione che spetta alla Confederazione.”

Ma in Ticino – alla frontiera sud della Svizzera – la situazione è preoccupante come nei dei due paesi? “Per ora” ci dice Gobbi “la situazione è sotto controllo. Ma non abbassiamo la guardia”.

“Certo è” continua il direttore del DI “che dopo la chiusura dei valichi sul fronte est (Germania-Austria), i migranti tenteranno la via a sud che da Milano arriva al Ticino”. “Se la situazione peggiorerà bisognerà adottare misure d’emergenza anche qui” conclude Gobbi, e la proposta della chiusura delle frontiere tornerà a bussare sempre più forte a Berna.

http://www.ticinonews.ch/ticino/249999/fosse-per-me-sospenderei-schengen

L’alcol resta negli stadi

L’alcol resta negli stadi

Da RSI.CH l Intervista a Norman Gobbi su sicurezza alle partite e utilizzo della nuova tassa

Le convenzioni anti-violenza firmate dal cantone con le principali società sportive ticinesi sono diventate pienamente operative durante questo weekend con le prime partite casalinghe di Lugano e Ambrì. Per finanziarie il sistema di sicurezza, oltre ad assumersi altri obblighi, i due club di hockey (al pari di Lugano e Chiasso nel calcio) devono versare al cantone 1 franchi per ogni spettatore.

La nuova tassa, spiega il direttore del Dipartimento delle istituzioni, servirà a finanziare lo sforzo fatto dal cantone – congiuntamente alle società e ai proprietari degli stadi – per permettere a tutti, famiglie con bambini comprese, di recarsi negli stadi in tutta sicurezza.

Almeno 200’000 franchi da HCL e HCAP

Il consigliere di Stato non si sbilancia sulle previsioni complessive di incasso per la stagione. Nella peggiore delle ipotesi, dai due club di hockey è però previsto il versamento di almeno 200’000 franchi: 100’000 ciascuno (calcolando 25 partite casalinghe a una media di 4’000 spettatori). E se saranno di più perché le due squadre si qualificheranno ai play-off e avranno più pubblico, rileva Norman Gobbi, tanto meglio.

Tra i cambiamenti previsti dagli accordi non figura invece la proibizione della vendita dell’alcol che in altre realtà è stata introdotta per tentare di arginare le violenze degli hooligan. In Ticino la misura, rileva Norman Gobbi alla RSI, viene invece ritenuta potenzialmente controproducente poiché rischierebbe di incrementare i problemi all’esterno degli impianti sportivi.

Ripensamento non escluso

Ma il cantone non esclude un ripensamento. “Semmai si dovesse rendere necessario si potrebbe comunque passare a una proibizione concordate con i club”, conclude il direttore del Dipartimento istituzioni.

http://www.rsi.ch/news/ticino-e-grigioni-e-insubria/L’alcol-resta-negli-stadi-6052270.html

Mythos Marignano

Mythos Marignano

Da NZZ.CH l 500-Jahr-Jubiläum der Schlacht. Was bedeutet die Schlacht von Marignano heute? Die Gedenkfeier bei Mailand hat klargemacht: Für Italien ist sie der Beginn der Schweizer Neutralität – die eidgenössische Sichtweise bleibt komplexer.

Zunächst sah es am Sonntagmittag schlecht aus: Lombardischer Dauerregen drohte die Marignano-Gedenkfeier in der Gemeinde San Giuliano Milanese ins Wasser fallen zu lassen. Dann plötzlich zeigte sich die südliche Sonne. So konnte Bürgermeister Alessandro Lorenzano mit entsprechender Serenität die 500 Jahre zurückliegende Schlacht von Marignano, die eigentlich auf dem Gemeindegebiet San Giulianos stattfand und bei welcher die Eidgenossen von Frankreich vernichtend geschlagen wurden, als Beginn der Schweizer Neutralität bezeichnen. In Lorenzanos Augen stellt Marignano auch ein Memento für den Frieden dar. Dieser werde gerade in Italien als wertvolles Gut erachtet.
Der Ursprung der Schweizer Neutralität liege nicht auf dem Schlachtfeld von Marignano, erklärte hingegen Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga. Bestenfalls habe hier die Erfolgsgeschichte der neutralen Schweiz einen ersten Anfang genommen. Weil kurz nach Marignano die Reformation in Gang gekommen sei und für innereidgenössische Konflikte gesorgt habe, wurden nach Sommarugas Ansicht weitläufige Eroberungszüge im Ausland unmöglich. Das habe mit Neutralität kaum etwas zu tun, sagte die Bundespräsidentin weiter und führte eine an C. G. Jung erinnernde Überlegung ins Feld: Die Schlacht sei zum Mythos geworden, der zu Reflexionen über die eigene Identität anrege. Die Erinnerung an Marignano solle Diskussionen darüber anstossen, wie die Schweiz ihre Neutralitätspolitik im 21. Jahrhundert zu gestalten habe.

Damit ging die Bundespräsidentin implizit auf Distanz zu ihrem Regierungskollegen Ueli Maurer. Dieser hatte 2007 noch als Präsident der SVP erklärt, nach Marignano habe man freiwillig die Neutralität als aussenpolitische Maxime gewählt. Dies ist insofern von Belang, als laut einem SVP-Exponenten ursprünglich Bundesrat Maurer als Festredner an der Marignano-Feier hätte auftreten sollen – doch die Landesregierung habe dies zu verhindern gewusst.

Von eigentlichen Neutralitätsbestrebungen könne man erst in späteren Jahrhunderten sprechen, betonte der dritte Festredner, der Direktor der Bibliothek am Guisanplatz in Bern, Jürg Stüssi-Lauterburg. Laut seinen Worten war die Folge von Marignano eine andere: Der Friedensvertrag von 1516 sicherte den Eidgenossen die Herrschaft über das heutige Tessin endgültig zu. «Dass mein Kanton Untertanenland der Eidgenossen blieb, ist gut so», erklärte der Tessiner Regierungspräsident Norman Gobbi (Lega) – er war einer der geladenen Gäste – auf Anfrage lachend. Für ihn gab Marignano den ersten Anstoss zur bewaffneten Neutralität der Schweiz.

von Peter Jankovsky, San Giuliano Milanese13.9.2015

A 500 anni da Marignano

A 500 anni da Marignano

Da RSI.CH l A San Giuliano Milanese commemorata la storica battaglia. Il ricordo della battaglia di Marignano del 1515 si mostra ancora oggi come un’occasione di dibattiti su concetti importanti per la Confederazione.

Domenica il 500esimo dello scontro armato, avvenuto tra il 13 e 14 settembre 1515 e che vide i confederati sconfitti dai francesi, è stato ricordato con una commemorazione ufficiale tenutasi a San Giuliano Milanese. La presidente Simonetta Sommaruga ha ricordato la vicenda storica e ha affermato che “La “battaglia dei giganti” è diventata un mito – almeno per noi Svizzeri. Generazioni di alunni hanno imparato che la storia del successo della Svizzera neutrale è iniziata a Marignano. Marignano […] ci dimostra che la storia non è semplicemente ciò che è successo. La storia non si limita a fatti e date, la storia è anche il presente. La sua importanza risulta dal modo in cui ce ne ricordiamo, poiché guardando al passato ci accertiamo di quello che siamo, e di quello che vogliamo essere.”

A 500 anni di distanza ciò che ad oggi rimane una questione controversa, secondo la presidente, è il significato attuale di quella battaglia: “Non sottovalutiamo l’importanza dei miti e dei luoghi di memoria come Marignano. I miti sono importanti per una nazione, poiché ci consentono di parlare della nostra identità. Ma nonostante il trasporto con cui evochiamo la storia dobbiamo badare a non rimanere prigionieri del passato.”

Concludendo il suo intervento ha ribadito che “Il Consiglio federale ritiene che la neutralità sia un pilastro importante della nostra identità. La nostra neutralità non è nata su questo campo di battaglia. Ma il ricordo della battaglia di Marignano deve indurci a discutere come la Svizzera debba interpretare la propria neutralità nel ventunesimo secolo. Sta a noi plasmare il futuro. – È questo l’insegnamento che possiamo trarre dal passato.”

Fra i molti presenti all’incontro che ha riunito autorità politiche e militari anche il presidente del Consiglio di Stato ticinese Norman Gobbi e l’ex consigliere federale Christoph Blocher.

http://www.rsi.ch/news/svizzera/A-500-anni-da-Marignano-6052339.html

Sport e sicurezza: firmate le convenzioni con i Club ticinesi

Sport e sicurezza: firmate le convenzioni con i Club ticinesi

Un ulteriore tassello nel mosaico delle misure contro la violenza in occasione di eventi sportivi. Nel corso dell’estate sono state sottoscritte, fra la Polizia cantonale, i club di lega nazionale di hockey e di calcio e i rispettivi gestori degli impianti sportivi, le convenzioni concernenti le misure di sicurezza nelle strutture sportive nonché nelle immediate vicinanze, nel contesto di partite considerate a rischio.

Il Dipartimento delle Istituzioni e la Polizia cantonale comunicano che, a seguito dell’adesione da parte del Canton Ticino al Concordato sulle misure contro la violenza in occasione di manifestazioni sportive (modificato il 02 febbraio 2012), sono state ratificate una convenzione con le società sportive Hockey Club Ambrì Piotta e Hockey Club Lugano, Football Club Lugano e Football Club Chiasso e con i rispettivi gestori delle strutture sportive.

Questo costituisce un ulteriore tassello nella lotta alla violenza durante le manifestazioni sportive e un miglioramento degli strumenti a disposizione delle autorità cantonali nella lotta ai disordini che possono verificarsi in occasione di eventi sportivi.

L’obiettivo dei concordati è quello di poter assicurare, grazie ad una stretta collaborazione nell’ambito della sicurezza, lo svolgimento di manifestazioni sportive in un’atmosfera piacevole e caratterizzata da sano fair play.

Nel documento sono definite le responsabilità del Club sportivo, gli aspetti pratici quali le misure preventive da intraprendere, la necessità di un continuo scambio d’informazioni e le misure puntuali d’applicare per garantire la sicurezza negli impianti sportivi, in particolar modo in occasione d’incontri a medio e alto rischio.

Inoltre, come risultato della richiesta di assunzione di maggiori responsabilità, anche finanziarie, le convenzioni definiscono in maniera chiara la partecipazione ai costi della sicurezza da parte delle società sportive. Questo contributo che si riassume nella somma di un franco per ogni spettatore presente agli incontri casalinghi sull’arco dell’intera stagione, andrà a coprire parte dei costi che Cantone e Comuni saranno chiamati a sostenere per l’impiego delle forze e dei mezzi messi in campo a margine degli incontri sportivi considerati a rischio.

Orco, lupo o saresette bagnate rosse?

Orco, lupo o saresette bagnate rosse?

Dopo avermi definito “l’orco cattivo” del Canton Ticino, ecco che il Partito socialista – bramoso di poter attaccare i leghisti – nel recente caso del ragazzo statunitense a Locarno mi fa diventare addirittura un lupo, con questa loro affermazione “Norman Gobbi perde il pelo ma non il vizio”.

Prima di entrare nel merito, ricordo che anche in questa situazione si è trattato di azioni compiute seguendo le procedure e rispettando la legge; nel caso odierno di Locarno gli accertamenti non vessatori sono stati effettuati da un organo comunale, che solo con particolari voli pindarici (o per crassa malafede o pura disinformazione) è riconducibile al mio Dipartimento e per estensione alla mia persona. Situazioni ordinarie diventate casi politici solo grazie a informazioni non verificate e distorte sistematicamente da un partito per screditarmi, sempre e comunque; e poco conta la veridicità dei fatti.

Oggi, in un suo comunicato ufficiale il Partito socialista si rifà ad un articolo de “La Regione”, riprendendo dei fatti riportati da una persona non presente durante l’accertamento di polizia e tutt’altro che verificati dal giornalista prima della pubblicazione, come si può desumere confrontando il testo dell’articolo odierno con il comunicato della Polizia comunale della Città di Locarno. Il PS giunge quindi a conclusioni errate e salta subito all’occhio come le informazioni da loro usate per muovermi tale accusa non corrispondano al vero, purtroppo per loro.

Non mi sono mai tirato indietro davanti a problemi e scandali riconducibili al lavoro dei miei collaboratori, di cui sono e mi sento responsabile. E alla fine di questa storia, tutto finisce con il solito piccolo strepito di sarasette bagnate rosse.

NG

Ecco il comunicato della Polcom della Città di Locarno: 

Il Comando della Polizia della Città di Locarno, letti gli articoli diffusi a mezzo stampa e sui portali online, intende chiarire alcuni punti che sono apparsi a dir poco forvianti sull’operato degli Agenti, i quali si sono limitati ad agire nelle proprie competenze e nel rispetto delle leggi.
Il controllo effettuato presso la scuola speciale con sede al liceo cantonale di Locarno, è avvenuto dopo contatto con il vice direttore, che ha provveduto di persona a rintracciare la docente. Nessuno si è mai presentato in aula gettando scompiglio o tantomeno effettuando un blitz. Nessuno ha mai contattato di persona il ragazzo, che probabilmente resterà più sconvolto dal trambusto mediatico creato, che da una semplice visita di due Agenti di Polizia, volta ad assumere informazioni presso la Direzione della Scuola.
Il contatto con la docente è avvenuto all’esterno della classe e verteva unicamente alla verifica che il ragazzo frequentasse l’anno scolastico.
Si trattava unicamente, su richiesta dell’Ufficio controllo abitanti, di verificare la presenza del ragazzo. Una volta accertata la quale l’intervento presso la scuola è terminato e gli agenti hanno steso il relativo rapporto alle autorità competenti.

Selbst ist der Tessiner

Selbst ist der Tessiner

Da Basler Zeitung l Verstopfte Strassen, Lohndumping, Flüchtlingsströme – der Südkanton hat genug und wehrt sich.

Auf dem Weg ins Stadtzentrum von Lugano bleibt der Bus in einer Einbahnstrasse stehen. Ein am Strassenrand geparktes Auto blockiert die Weiterfahrt. Der Buschauffeur hupt zweimal; sofort kommt die Besitzerin des Autos angerannt und fährt weg. «Wir sind doch hier nicht in Italien, wo man es gewohnt ist, das Auto auf der Strasse stehen zu lassen», ruft ein Fahrgast im Bus. Als ich später dem Tessiner Regierungspräsidenten Norman Gobbi davon erzähle, lacht er und fragt nach dem Kennzeichen.

Der Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements stichelt gerne gegen das südliche Nachbarland. Die Italiener seien nicht mit anderen Europäern zu vergleichen, sagt er. Nicht aus menschlicher Sicht. Sie hätten aber eine andere Mentalität, eine andere Einstellung zu Regeln und Gesetzen. Sie nähmen es nicht so genau. «Wir Tessiner sind anders. Wir sind stur und diszipliniert wie alle Schweizer, wenn auch nicht immer», erklärt Gobbi auf Italienisch und betont dabei das Adjektiv stur, indem er es auf Deutsch sagt.

Anders als die Italiener zu sein, darauf legen die Tessiner grossen Wert. Doch so sehr sie sich bemühen, ihre Ähnlichkeiten zu den Deutschschweizern und die Unterschiede zu den Italienern hervorzuheben, gibt es ausser der Sprache dennoch einiges, was an den südlichen Nachbarn erinnert. In der Sache mögen die Tessiner zwar genauso pingelig und korrekt sein wie die Deutschschweizer, nicht aber in ihrem Auftritt und im Umgang. Alles ist weniger offiziell, ungezwungener.

Bei meiner Ankunft in der Residenza Governativa, dem Vewaltungs­gebäude auf der Piazza Governo in Bellinzona, fragt mich Norman Gobbis Sekretärin, ob ich etwas trinken möchte. Wenig später serviert sie mir mein Wasser – in einem weissen Plastikbecher. Die schwarzen Tische im Sitzungszimmer, auf denen eine feine Staubschicht liegt, sind leer. Keine Kaffeetassen, keine Gläser, kein Mineralwasser. Gobbis Assistentin setzt sich zu mir und stützt das Knie in die Hände. Wir unterhalten uns wie alte Bekannte. Sie ist beim Gespräch mit Gobbi dabei. Schreibt nicht mit, hört nur zu.

Unbeliebte «Frontalieri»

Über 60 000 Italiener arbeiten im Tessin. Die «Frontalieri», Grenzgänger, sind nicht sonderlich beliebt. Sie verstopften die Strassen, nähmen den Einheimischen die Arbeitsplätze weg und «benehmen sich, als wären sie hier zu Hause», heisst es. Dass die Tessiner diese Situation nicht länger dulden wollen, zeigten sie mit ihrer deutlichen Zustimmung zur Zuwanderungs-Initiative der SVP – fast 70 Prozent sagten im Februar vor einem Jahr Ja.

In einem Café auf der Piazza Collegiata in Bellinzona komme ich mit Michela ins Gespräch. Sie ist 31 Jahre alt und arbeitet als Kommunikations­beauftragte in Bellinzona. «Mich stört vor allem der ewige Stau», sagt sie. Sie sei jeden Tag von Coldrerio, das nahe bei der Grenze zu Italien liegt, mit dem Auto zur Arbeit gefahren: «Das war schrecklich, ich musste eine zusätzliche Stunde Arbeits- und Heimweg einkalkulieren.» Sie sei deshalb nach Lugano gezogen. Von der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt merke sie hingegen nichts. Sie habe nach dem Studium sofort eine Stelle gefunden. Einige Bekannte von ihr, ebenfalls Hochschulabsolventen, hätten aber das Tessin verlassen müssen und in Zug oder Zürich eine Anstellung gefunden.

Die Tessiner beschweren sich darüber, dass ihre Anliegen in Bundesbern kein Gehör finden. Mit Lega-Politiker Gobbi ist nun aber jemand an der Spitze, der weder überhört noch übersehen werden kann. Der 38-Jährige steht im Türrahmen, den er nahezu ausfüllt – sowohl in der Breite als auch in der Höhe. Den Rücken zum Sitzungszimmer gewandt, ruft er einer seiner Mitarbeiterinnen in Tessiner Dialekt noch etwas zu und betritt dann den Raum. «Ben arrivata», begrüsst er mich mit tiefer Stimme.

«Manchmal muss man den Leuten auf die Nerven gehen, um etwas zu erreichen», sagt Gobbi. Das tut er: Im April beschloss er, dass alle Ausländer, die im Tessin eine Aufenthaltsbewilligung B (befristet) oder G (Grenzgänger) wollen, einen Auszug aus dem Strafregister ihres Landes samt Beleg über laufende Verfahren vorlegen müssen. Diese Massnahme folgt auf die Erhöhung der Quellensteuer, die der Tessiner Grosse Rat bereits 2014 verabschiedet hatte. Neu wird der betreffende Steuerfuss auf Gemeindeebene von 78 auf 100 Prozent erhöht.

Damit verärgert Gobbi in erster Linie die Politiker in Rom, aber auch Bundesbern, das kein Interesse daran hat, die ohnehin schon schwierige Beziehung zwischen der Schweiz und Italien weiter zu strapazieren. Schon gar nicht jetzt, wo das bereits unterzeichnete Doppelbesteuerungsabkommen mit Italien auf der Zielgeraden ist.

Diskussion über Schutzklausel

Dies war wohl auch der Hauptgrund, dass Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (BDP), begleitet von EU- Chefunterhändler Jacques de Watteville und Mario Gattiker, Staatssekretär für Migration, letzte Woche der Tessiner Regierung einen Besuch abstattete. Als offiziellen Grund für das Treffen nannte der Bundesrat «Klärungen vor der Schlussphase der Verhandlungen zum Grenzgängerabkommen mit Italien». Im Klartext: die Tessiner Regierung, aber vor allem Norman Gobbi zur Räson zu zwingen.

Dieser lässt sich aber nicht einschüchtern. Die Massnahmen seien gut überlegt gewesen, sagt Gobbi, eine logische Reaktion auf die damalige und die aktuelle Situation. «Es ist nicht so, dass wir Tessiner morgens mit einer Idee aufstehen und diese dann gleich umsetzen.» Mit der Erhöhung des Steuerfusses auf Gemeindeebene soll der Tessiner Arbeitsmarkt für die einheimischen Arbeitskräfte gestärkt werden.

Aktuell ist jeder vierte Arbeitnehmer im Tessin Grenzgänger und jeder zweite Ausländer. Zudem siedeln sich in den letzten Jahren immer mehr italienische Firmen an. Sie profitieren vom unbürokratischen Umgang mit den Schweizer Behörden, von tiefen Steuern und schnellen Bewilligungen. Im Zusammenhang mit der Umsetzung der Zuwanderungs-Initiative diskutiert der Südkanton deshalb über eine Arbeitsmarkt-Schutzklausel. Diese erlaubt es, die Personenfreizügigkeit im Grundsatz zu erhalten, gleichzeitig jedoch gezielte und begrenzte Interventionen in Ausnahmesituationen zu ermöglichen.

Es gehe auch darum, so Gobbi, die Region und somit auch den Rest der Schweiz vor kriminellen Organisationen zu schützen. Vor der Einführung des freien Personenverkehrs sei es völlig normal gewesen, dass Grenzgänger einen Strafregisterauszug vorlegen mussten. «Ich verstehe die Aufregung nicht», sagt Gobbi und lehnt sich gemächlich im Stuhl zurück. Die direkt Betroffenen, also die Grenzgänger, hätten sich bisher nicht dagegen gewehrt. Und die Tessiner Bevölkerung sei auch damit einverstanden. Offensichtlich störe es nur die Politiker in Bern und in Rom. «Doch die Probleme werden weder in Bern noch in Rom gelöst. Die lösen wir hier vor Ort.»

Selbst ist der Tessiner. Nach diesem Motto handelt auch Mauro Antonini: «Wir können nicht in jedem Fall warten, bis uns jemand eine Lösung präsentiert. Zusammen mit dem Kommando in Bern suchen wir selber nach Lösungen und handeln danach.» Der Kommandant des Grenzwachtkorps der Region IV steht in seinem Büro in Lugano-Paradiso vor einer Skizzentafel. «Sehen Sie, hier sind noch die Schritte der letzten Aktion im Kampf gegen die Schlepper aufgeführt.» Die vielen Grenzgänger sind nicht das einzige Problem des Südkantons. Zurzeit reisen jeden Monat zwischen 1200 und 1800 Flüchtlinge über Italien in die Schweiz ein. An den Wochenenden müssen die Zollbeamten am Bahnhof Chiasso täglich zwischen 60 und 80 Fälle behandeln; die meisten kommen mit dem Zug an.

«Gib nicht auf»

In Zusammenarbeit mit dem Grenzwachtkorps hat die Tessiner Kantonspolizei nun eine Taskforce gegründet mit dem Ziel, Schleppernetzwerke zu zerschlagen. Dabei werden suspekte Bewegungen an der Grenze analysiert. Es konnten bereits einige Leute verhaftet werden. Antonini ist überzeugt: «Das ist der richtige Ansatzpunkt. Wir müssen diesen Banden klarmachen, dass man bei uns nicht durchkommt.»

80 Prozent der Flüchtlinge, die meisten sind Eritreer, stellen ein Asyl­gesuch und werden nach der Erstkontrolle an das Empfangs- und Verfahrenszentrum des Staatssekretariats für Migration weitergeleitet. Die übrigen werden gemeinsam mit den italienischen Behörden nach Italien zurückgeschafft. Um die Situation bewältigen zu können, bekommt das Grenzwachtkorps wöchentlich Verstärkung von zehn bis zwanzig Personen aus anderen Regionen. Von einer Krisen­situation will der Kommandant dennoch nicht sprechen. «Dank motivierten Leuten, Besonnenheit und entsprechender Infrastruktur haben wir die Lage unter Kontrolle», sagt er.

Politisch mag sich Antonini nicht äussern. Auch nicht zu den Grenzgängern. Das solle Norman Gobbi tun. Übrigens ein guter Kumpel von ihm. Ich solle ihn doch bitte grüssen und ihm dies überreichen: Er greift zu einer kleinen, weissen Schachtel, die einen bedruckten Caran-d’Ache-Kugelschreiber enthält. Darauf schreibt er in Tessiner Dialekt: «Gib nicht auf.»

Von Alessandra Paone, Basler Zeitung ePaper

Gothard: opération séduction pour un 2e tube

Da LeTemps.ch l Samedi, on fête les 35 ans du tunnel routier du Gothard, inauguré le 5 septembre 1980. Vendredi, les partisans d’un deuxième tube (en votation en février 2016) ont intensifié leur campagne et emmené les journalistes au cœur du Gothard, lors d’un voyage médiatique orchestré par l’Union suisse des arts et métiers (USAM).

Rendez-vous était donné tôt le matin à Lucerne. Dans le bus conduisant le groupe à Göschenen, le directeur de l’USAM, Hans-Ulrich Bigler, a ouvert les feux en expliquant pourquoi il fallait construire un tunnel de réfection. «Nous rénovons le tunnel du Gothard pour la Suisse et son économie, et non pour le trafic de transit», a-t-il déclaré. Environ 8% seulement du trafic au Gothard est attribuable au transit de marchandises à travers la Suisse.

A Göschenen, le soleil est au rendez-vous, le café et les croissants aussi. Les journalistes sont reçus à la Centrale d’intervention du tunnel routier, où le directeur de l’Office fédéral des routes (Ofrou), Jürg Röthlisberger, défend le projet de la Confédération, à savoir la création d’une deuxième galerie pour pouvoir assainir en toute tranquillité la première, sans interruption du trafic.

«Nous construisons sans créer de bouchons», a-t-il expliqué, en citant d’autres exemples comparables de réfection, comme le tunnel du Belchen (construction d’un troisième tube). Quant à l’alternative d’une autoroute ferroviaire courte entre Erstfeld et Biasca, elle représente certes «une solution intéressante» et praticable, mais «pas durable», selon l’Ofrou.

Aspect sécuritaire

Car si en 2020 la Nouvelle Ligne ferroviaire alpine (NLFA) aura encore la capacité nécessaire pour accueillir les poids lourds chargés sur le rail, ce ne sera plus le cas trente ans plus tard, lorsqu’un nouvel assainissement s’imposera.

L’aspect sécuritaire était au centre de l’attention à la Centrale d’intervention de Göschenen, chargée du contrôle de la circulation et des interventions dans le tunnel routier. Les visites organisées dans la salle de contrôle, avec ses dizaines d’écrans où défilent les images prises par les caméras dans le tunnel, et au service du feu, démonstration de camion de pompier à l’appui, faisaient partie des attractions de la journée.

Les responsables de la police routière et du service du feu, l’Uranais Oliver Schürch et le Tessinois Fabrizio Lasia, ont illustré les risques dus à la circulation bidirectionnelle et à l’absence de bandes d’urgence, et les difficultés d’intervention en cas d’accident ou d’incendie. Interrogés sur leur opinion quant au doublement du tunnel, tous deux se sont pourtant montrés circonspects.

Oliver Schürch en particulier marchait sur des œufs, car les autorités de son canton sont opposées au projet de la Confédération. En 2011, la population uranaise a rejeté la proposition d’un deuxième tube, et c’est dans ce canton que le référendum déposé en janvier dernier a recueilli, proportionnellement, le plus de signatures.

Position des Tessinois

Au sud du Gothard, la position des Tessinois semble avoir évolué au cours des années. Alors qu’en 2004 ils rejetaient, tout comme les Uranais, le doublement du tunnel, deux tiers d’entre eux y étaient favorables en 2011 selon un sondage; mais 10% des paraphes du référendum provenaient du canton italophone, laissant suggérer que l’adhésion au projet n’est plus aujourd’hui aussi compacte.

Après une visite rafraîchissante dans la galerie de sécurité longeant le tunnel, accompagnée d’une séance photo pour l’ex-conseiller national uranais Franz Steinegger (PLR), le voyage a continué en direction d’Airolo, et plus précisément vers sa fromagerie (à risque sans deuxième tube, selon son patron).

Là, à côté de la dégustation de fromages locaux, le président du gouvernement tessinois Norman Gobbi a exprimé les craintes de son canton d’être coupé du reste de la Suisse: «Nous ne voulons pas être Tessinois seulement en été», a-t-il répété en reprenant un slogan de 1964 en faveur de la construction d’un tunnel routier.

L’ultime étape conduisait les médias à Erstfeld, qui devrait accueillir la moitié des quais de transbordement (l’équivalent de 22 terrains de football au total) pour le trafic lourd si la solution d’une autoroute ferroviaire devait finalement l’emporter. Sur une passerelle dominant le chantier d’AlpTransit, Franz Steinegger a eu le mot de la fin: «Le problème pour Uri n’est pas le deuxième tube, mais au contraire le fait de n’en avoir qu’un seul.»

http://www.letemps.ch/Page/Uuid/b22c2d54-5338-11e5-a62b-2400f7582c03/Gothard_op%C3%A9ration_s%C3%A9duction_pour_un_2e_tube

TESSIN Samedi 05 septembre 2015, Barbara Knopf Bellinzone

Aggregazione del nuovo Comune di Verzasca bocciata dal Tribunale federale

Aggregazione del nuovo Comune di Verzasca bocciata dal Tribunale federale

Il Consiglio di Stato comunica che in data odierna è stata recapitata la sentenza del Tribunale federale del 25 agosto 2015 sul ricorso del Comune di Lavertezzo contro il Decreto legislativo 10 marzo 2014 concernente l’aggregazione dei Comuni di Brione Verzasca, Corippo, Frasco, Sonogno, Vogorno e dei territori in Valle dei Comuni di Cugnasco-Gerra e Lavertezzo. Il ricorso è stato accolto.

Le ragioni dell’accoglimento del ricorso sono essenzialmente legate alla portata delle basi legali oggi presenti nella Legge sulle aggregazioni e separazioni dei Comuni. A giudizio del Tribunale federale l’attuale legge non prevede in modo chiaro la facoltà per decretare una separazione in via coatta di parti di territorio o di frazioni di un Comune per farli confluire con altri Comuni in un nuovo Comune.

Il Consiglio di Stato esaminerà ora con attenzione la questione, coinvolgendo senz’altro i Comuni interessati. Oggetto di valutazione sarà pure l’aspetto normativo