«Flüchtlinge kommen mit einem ausgefüllten Blatt über die Grenze»

«Flüchtlinge kommen mit einem ausgefüllten Blatt über die Grenze»

Da Tages Anzeiger, 17 agosto 2016 | Asylsuchende werden angeblich an der Südgrenze abgewiesen, ohne dass sie ein Gesuch stellen können. Der Tessiner Justiz- und Polizeidirektor Norman Gobbi nimmt Stellung.

Herr Gobbi, werden Flüchtlinge nach Italien zurückgeschafft, ohne dass sie ein Asylgesuch stellen können?
Die Schlussfolgerung, die Schweiz verhindere den Zugang zum Asylrecht, ist nicht korrekt. Das Grenzwachtkorps übergibt alle Personen, die klar und deutlich Asyl verlangen, dem Staatssekretariat für Migration. Viele Asylsuchende wollen ihr Gesuch im Empfangs- und Verfahrenszentrum aber wieder zurückziehen. Diese Personen werden durch das Grenzwachtkorps nach Italien zurückgeschafft.

Der «SonntagsZeitung» und Radio SRF sagten Sie aber, dass nur noch «glaubwürdige Asylgesuchsteller» ins Land gelassen würden, und dass Flüchtlinge, die mehrfach über die Schweiz nach Deutschland zu gelangen versuchten, auch dann nach Italien zurückgeschickt würden, wenn sie beim dritten oder vierten Mal plötzlich Asyl verlangen würden. Was stimmt nun?
Unglaubwürdig sind Migranten, die bei einer Überprüfung durch das Grenzwachtkorps ihre wahre Absicht zugeben, nach Deutschland zu wollen. Ebenso unglaubwürdig sind Personen, die ihr Asylgesuch wieder zurückziehen.

Flüchtlinge beklagen sich, sie hätten kein Asylgesuch stellen können, obwohl sie dies verlangt hätten. Wie erklären Sie sich das?
Wer dies klar und deutlich verlangt, kann ein Gesuch stellen. In manchen Fällen kommen Flüchtlinge mit einem von Hilfsorganisationen ausgefüllten Blatt über die Grenze. Ein Asylgesuch muss aber direkt von der betroffenen Person gestellt werden, und nicht von Dritten. Zudem stimmen diese Papiere nicht immer mit ihren wahren Absicht überein.

Das Grenzwachtkorps kontrolliert die Züge von Italien in die Schweiz derzeit stärker als früher. Wieso?
Die Züge wurden immer schon kontrolliert. Heute vielleicht etwas häufiger, weil der Andrang auch grösser ist. Die Kontrolle der Südgrenze ist auch für die Sicherheit des restlichen Landes wichtig, wenn etwa Diebe oder Bettler aus Mailand über das Tessin einreisen.

Was soll nun mit den Menschen geschehen, die in Como und in Mailand festsitzen?
Die italienische Behörden sind daran, Lösungen zu suchen. Es stimmt also nicht, dass diese nichts unternehmen. Die Migranten in Ventimiglia an der Grenze zu Frankreich aber auch jene in Como werden in Verfahrenszentren der italienischen Behörden gebracht werden. Letzlich handelt es sich aber um ein ungelöstes Problem der Europäischen Union.

Regime an der Südgrenze wird kritisiert

Regime an der Südgrenze wird kritisiert

Da NZZ.ch, 14 agosto 2016 | Können in Chiasso alle asylwilligen Migranten einen Antrag stellen, oder bringt man zu viele von ihnen gleich nach Italien zurück? Dies ist einer der Streitpunkte an der Schweizer Südgrenze.

Das wilde Flüchtlingscamp in der norditalienischen Grenzstadt Como scheint zu wachsen: Sprach man letzte Woche von 500 Migranten, berichten regionale Medien nun von weiteren hundert Ankömmlingen, die am Bahnhof Como San Giovanni biwakieren – vor knapp einem Monat waren es noch wenige Dutzend gewesen. Jetzt erheben einige Regionalpolitiker ihre Stimme gegen die Schweiz. Die meisten Migranten wollten weiter nach Deutschland oder Skandinavien, also sollte man ihnen die Durchreise gewähren – doch der Kanton Tessin blockiere sie, lautet beispielsweise der Vorwurf des Regionalparlamentariers Francesco Dotti von den nationalkonservativen Fratelli d’Italia.
Im Verlauf des Sonntagvormittags habe die Schweizer Grenzwacht bis zwölf Uhr 102 sich illegal in Chiasso Aufhaltende aufgegriffen, sagt der Tessiner Polizei- und Justizdirektor Norman Gobbi (Lega), um die Situation zu illustrieren. Laut seinen Worten stellte etwa ein Drittel von ihnen einen Asylantrag, der Rest wurde nach Italien zurückgebracht. Dies erfolgt gemäss dem Dublin-Abkommen sowie dem schweizerischen Ausländergesetz. Rückweisungen von etwa 50 Prozent bis zu zwei Dritteln sind nach Gobbis Einschätzung der derzeitige Trend. Im Juli hätten von rund 6300 aufgegriffenen rechtswidrig Eingewanderten etwa 2700 ein Asylgesuch gestellt.

Eine Massenabfertigung?
Doch einige SP-Exponenten hegen Zweifel. Ihr Eindruck sei, dass sehr viele Migranten in Chiasso abgewiesen würden, die nachweislich Verwandte in der Schweiz hätten, meint die Tessiner SP-Vizepräsidentin Beatrice Reimann. Sie hat kürzlich alt Bundesrätin Ruth Dreifuss für einen Augenschein nach Como begleitet. Die Abweisungen seien trotz vorgezeigten Schweizer Adressen und korrekten Reisedokumenten erfolgt. Hierzu habe die in Como tätige Tessiner Hilfsorganisation Firdaus etliche Belege gesammelt.
Wie alt Bundesrätin Dreifuss findet auch Reimann, dass an der Südgrenze eine Massenabfertigung im Gange sei. Obschon Migranten den Begriff «Asyl» erwähnt hätten, seien sie vielfach nicht angehört worden. In den Augen der Tessiner SP-Vizepräsidentin scheint die Grenzwacht überfordert wegen der schieren Menge der Migranten, die jeden Tag in Chiasso ankommen. Im Hinblick auf die unbegleiteten Minderjährigen ist Reimann der Ansicht, dass sehr viele von ihnen mehrere Versuche in Chiasso hinter sich haben und wieder an Comos Bahnhof stranden. Selbst diese würden oft unregistriert und unbegleitet zurückgewiesen, lautet die Kritik seitens linker Politikerinnen wie auch verschiedener Hilfsorganisationen. Daher begleiten freiwillige Tessiner Helfer Migranten nach Chiasso bis zur Kontrollprozedur durch die Grenzwächter, um laut Reimann zu gewährleisten, dass sie einen Asylantrag stellen können. Die Südgrenze scheint also aus linker Sicht dichter zu sein als erlaubt.

Widersprüchliche Angaben
Gemäss Polizeidirektor Gobbi macht das Gesetz keinen Unterschied zwischen Voll- und Minderjährigen, wenn es um illegale Aufenthalte geht. Dies im Unterschied etwa zu Frankreich. Auch bis zu zwei Drittel der Minderjährigen weise man zurück – aber jeder einzelne werde persönlich angehört und betreut, betont Gobbi. Das Problem sei allerdings, dass viele junge Migranten ohne Papiere bei der ersten Registrierung in Chiasso angäben, volljährig zu sein; bei einem späteren Aufgreifen erkläre sich dieselbe Person dann für minderjährig. Vom geplanten einheitlichen Rückführungszentrum in Mendrisio-Rancate erhofft sich Gobbi eine Minderung solcher Schwierigkeiten.
Zur Vermutung der «Sonntagszeitung», die von einer möglichen Flut von Asylanträgen spricht, weil kein Transit möglich ist, sagt Gobbi: Diese Hypothesen seien plausibel, müssten aber verifiziert werden. Und SP-Frau Reimann spricht generell davon, dass die Flüchtlingsmisere in Como erst der Anfang sein könnte.

Asylbeamte befürchten gewaltsamen Durchbruch an der Grenze

Asylbeamte befürchten gewaltsamen Durchbruch an der Grenze

Da SonntagsZeitung.ch, 14 agosto 2016 | Vertraulicher Lagebericht warnt vor Schreckensszenarien – die Ordnungskräfte sind auf eine Eskalation vorbereitet

Offiziell gaben Justizministerin Simonetta Sommaruga und ihre Asylbeamten Entwarnung. Von rückläufigen Asylzahlen war diese Woche die Rede und davon, dass die Schweiz für Asylsuchende immer mehr vom Zielland zum Transitland werde.

Intern tönt das anders: Man fürchtet sich vor dem Anschwellen der Asylgesuche und gar vor Grenzdurchbrüchen. In einem vertraulichen Bericht zur «Migrationslage Schweiz und Europa» wälzt das Analysezentrum im Staatssekretariat für Migration (SEM) Krisenszenarien. Im «Lageupdate #19 vom 9.08.16» für die Kantonsregierungen ist von grossen Unsicherheiten und von erneut 40 000 Asylgesuchen bis Ende Jahr die Rede: «Aufgrund der aktuellen Migrationslage ist die Erstellung einer verbindlichen Prognose der Asylgesuche zurzeit nicht möglich», schreiben die Analysten. «Im Sinne einer Planungsannahme » sprechen sie dennoch davon, dass 2016 mindestens gleich viele neue Asylgesuche gestellt werden wie im Vorjahr (fast 40 000).

Gross ist die Befürchtung, dass die Schweiz wieder zum Zielland wird: «Der Druck auf die Südgrenze der Schweiz hält an.» So könne «eine Zunahme» der Asylgesuche «nicht ausgeschlossen» werden. Dies vor dem Hintergrund, dass ein Transit in Richtung Deutschland unmöglich scheine oder dass so zumindest der Rücküberstellung nach Italien entgangen werden könne. Im Klartext: Wenn die Migranten in Italien einsehen, dass die Schweiz sie an der Weiterreise hindert, wird die Schweiz wieder zum Zielland.

SEM befürchtet 4000 Gesuche pro Monat

Wollten die Migranten wieder zum grossen Teil in der Schweiz bleiben, hätte das Konsequenzen: «Sollte sich der Rückstau in Norditalien ganz oder zu einem grossen Teil in Richtung Schweiz entladen, so ist es möglich, dass die Zahl der Asylgesuche innerhalb kurzer Zeit deutlich ansteigt und während einem oder zwei Monaten Werte von über 4000 Gesuchen erreicht.»

Die Asylbeamten können sich sogar vorstellen, dass Migrantengruppen sich den Eintritt in die Schweiz erzwingen: «Aktionen wie der Durchbruchsversuch bei Ventimiglia», so steht im Bericht, «könnten sich in den kommenden Monaten häufen. Die Zahl der an einem Versuch beteiligten Migranten könnte ansteigen.» Vor einer Woche durchbrachen zwischen 150 und 300 Migranten eine Sperre der italienischen Polizei bei Ventimiglia an der Grenze zu Frankreich. Auslöser dafür war eine Protestaktion von mindestens 100 No-Borders-Aktivisten.

Der Analysestab hat ernst zu nehmende Gründe für seine Szenarien: Der Migrationsdruck auf Italien und dessen Nachbarstaaten ist ungebrochen. Gemäss den Asylspezialisten seien alleine in der ersten Augustwoche 3800 Migranten im Seegebiet südlich von Italien aufgegriffen worden. «Seit Anfang 2016», so der Bericht, «gelangten bisher rund 100 300 Migranten auf dem Seeweg nach Italien.» Und weil die innereuropäischen Grenzen für Migranten immer häufiger geschlossen sind, registriert man einen «Stau» in Norditalien: «Im Raum Mailand stauen sich mindestens 3300 Migranten, die auf eine Weiterreise warten.» In Como seien es 600 Personen. Asylpolitiker wie CVPChef Gerhard Pfister halten die Szenarien für «durchaus realistisch». Der Bund müsse sich «vorbereiten».

Das ist bereits geschehen. Die Südgrenze ist für Flüchtlinge faktisch geschlossen – und zwar nicht nur für Migranten, die illegal durch unser Land reisen wollen. Diese werden seit langem nach Italien zurückgeführt. Neuerdings werden aber auch Migranten, die in der Schweiz ein Asylgesuch stellen wollen, abgewiesen – obwohl sie nach Schweizer Recht und nach den Bestimmungen des Dubliner Abkommens in der Schweiz ein Asylverfahren erhalten müssten.

Diese Praxis bestätigt der Tessiner Polizeidirektor Norman Gobbi (Lega): «Wenn ein Flüchtling mehrfach von den Schweizer Grenzwächtern aufgehalten wurde, er aber nach Deutschland reisen will, wird er vom Grenzwachtkorps auch dann nach Italien zurückgeschickt, wenn er plötzlich vorgibt, Asyl zu wollen.» Man müsse verhindern, dass Flüchtlinge unsere Asylstrukturen missbrauchen, um abzutauchen, begründet er dies. «Sonst würden wir uns ja zu Helfern der Schleuser machen.» Hilfswerksvertreter kritisieren, man nehme Asylsuchende nicht mehr ernst. Sie geben den Flüchtlingen deshalb schriftliche Asylgesuche.

Aktivisten stören die Arbeit des Grenzwachtkorps

Derzeit sei die Situation nicht mit jener in Ventimiglia vergleichbar, sagt Gobbi. «Einige No-Borders-Aktivisten haben aber versucht, die Arbeit des Grenzwachtkorps zu stören.» Man beobachte die Lage und sei auf eine Eskalation vorbereitet. Sowohl das Grenzwachtkorps wie auch die Tessiner Polizei hätten Ordnungsdienste.

Unklar ist, ob die Praxisverschärfung nur im Tessin stattfindet. An der Südgrenze wird diese offenbar in Abstimmung mit der italienischen Seite durchgeführt. Es ist fraglich, ob das mit anderen Grenzbehörden auch möglich wäre. Und unsicher ist, ob Bund und Kantone die Tessiner Verschärfung abgesegnet haben und sie heute gängige Asylpolitik ist.

Unterstützung findet die Verschärfung allemal. So sagt Christoph Neuhaus (SVP), Berner Justizdirektor und Mitglied der für Asyl zuständigen Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren: «Diese Praxisverschärfung ist angesichts der realistischen Risikoszenarien richtig.» Man könne das Wasser nicht einfach ins Boot laufen lassen und müsse handeln, bevor es zu spät sei.

Erfüllen sich die Schreckensszenarien aber nicht, könnten bis Ende Jahr einige Tausend Gesuche weniger eingehen als 2015. Das will das SEM kommende Woche in Aussicht stellen – aber offenbar ohne darauf hinzuweisen, dass Szenarien bestehen, laut denen alles ganz anders kommen kann.

Auch Deutsche wollen Burka-Verbot

Auch Deutsche wollen Burka-Verbot

Da Blick.ch, 13 agosto 2016  | Aufgrund der jüngsten Anschläge in Deutschland sollen die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt werden. Die neusten Ideen sind das Burkaverbot und die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft. 

Nach den Terrorattacken wollen die Deutschen die Zuwanderung bremsen und die Sicherheitsvorkehrungen verstärken. Nebst mehr Videoüberwachung und Polizei sind zwei weitere – brisante – Vorschläge auf dem Tisch: ein Burkaverbot sowie die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft.

Die Ideen stammen von den acht CDU/CSU-Innenministern der Bundesländer. Die detaillierten ­Inhalte dieser «Berliner Erklärung» werden am 18. August vorgestellt, so der Plan.

Erste Reaktionen auf ein ­Burkaverbot sind positiv. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hält die Vollverschleierung der Frau für «kein Zeichen einer offenen, demokratischen Gesellschaft».

Auch dem Religionswahn wollen die Innenminister einen Riegel schieben: «Für religiösen Extremismus und den Missbrauch religiöser Symbole ist in Deutschland kein Platz.» Das Land brauche eine Rückbesinnung auf bürgerliche Tugenden wie Respekt, Höflichkeit und Rücksichtnahme.

Die Minister sehen vor allem die Zuwanderung als Problem: «Eine unkontrollierte Zuwanderung und die damit verbundene Schleuserkriminalität verunsichern die Bevölkerung und erleichtern Straf­tätern und islamistischen Gewalttätern den heimlichen Zugang nach Europa.»

Die Verfasser des Berichts schlagen auch vor, die doppelte Staatsbürgerschaft abzuschaffen: «Sie ist ein grosses Integrationshindernis. Wir lehnen diese gespaltene Loyalität ab.» Wer sich für die Politik ausländischer Regierungen engagieren wolle, dem werde nahegelegt, Deutschland zu verlassen.

Von einer 2014 eingeführten Regelung des Doppelpasses profitieren vor allem die in Deutschland lebenden Türken. Geduldet wird der Doppelpass auch bei Migranten, deren Herkunftsländer keine Ausbürgerung akzeptieren. Dazu zählen Marokko, Iran, Algerien und Syrien. Davor mussten sich Einwanderer bis zum 23. Geburtstag für einen Pass entscheiden.

Im Tessin, wo seit 1. Juli ein Burkaverbot gilt, ist man überzeugt, dass ein solches Gesetz auch Deutschland nützen würde. Lega-Staatsrat Norman Gobbi: «Es ist ein sehr aktuelles Thema, deswegen muss es die Politik anpacken.» Gobbi bietet den Deutschen Nachhilfe an: «Wir sind gerne bereit, um das Gesetz und die verschiedenen nötigen Massnahmen zu erklären.»

«Das darf es in Europa nicht mehr geben»

«Das darf es in Europa nicht mehr geben»

Dal Tages Anzeiger del 12 agosto 2016 | Simonetta Sommaruga zeigt sich betroffen über die Flüchtlingscamps in Como. Alle Dublin-Staaten müssten ihren Teil der Verantwortung übernehmen.

Im Juni waren es mehr als 100 pro Tag, Männer, Frauen, Kinder, die nach einer zum Teil lebensgefährlichen Flucht im Tessin aufgegriffen wurden. Weil sie weder über die nötigen Papiere verfügten noch einen Asylantrag stellten, schickten sie die Grenzwächter umgehend nach Italien zurück. Einige versuchen es immer wieder, verstecken sich in Zügen, die nach Chiasso fahren, nur um wieder erwischt zu werden. Derzeit halten sich rund 350 von ihnen in Como in einem Camp auf, werden am Mittag von Freiwilligen mit Mahlzeiten versorgt und stellen sich auf eine weitere Nacht unter freiem Himmel ein.

«Kein Transitland»

«Es ist schwer erträglich, solche Zustände zu sehen. Das darf es in Europa nicht mehr geben», sagte Justizministerin Simonetta Sommaruga gestern in der Orangerie Elfenau in Bern. Hätte sie dieses herrschaftliche Anwesen für einen Medientermin zur Flüchtlingskrise ausgesucht, hätte man ihr Zynismus vorgeworfen – immerhin empfing die russische Grossfürstin Anna Feodorowna dort vor 200 Jahren die bessere Berner Gesellschaft. Tatsächlich waren Ort und Termin schon lange festgelegt und der Anlass bloss als informeller Austausch mit Bundeshausjournalisten geplant. Doch dann wurde Sommaruga von der Aktualität überrollt.

Der Tessiner Justizminister Norman Gobbi (Lega) forderte gestern im TA, der Bundesrat müsse nun signalisieren, dass Migranten nicht durch die Schweiz nach Nordeuropa reisen dürften. Auch Sommaruga lehnt einen Korridor für legale Durchreisen entschieden ab. «Die Schweiz will kein Transitland werden. Das wäre nicht rechtmässig und gegenüber Deutschland nicht zu rechtfertigen», sagte Sommaruga. Ausserdem pochte Sommaruga auf die Einhaltung der Regeln des Dubliner Übereinkommens. Jeder Asylsuchende müsse in der Schweiz oder einem anderen europäischen Land ein Asylgesuch stellen können. Wo das Verfahren durchgeführt werde, sei aber nicht Sache der Asylbewerber.

Trotz der angespannten Lage vor der Schweizer Grenze: Im Juli wurden weniger Asylgesuche gestellt als im Juli des Vorjahres. Dies geht aus der Asylstatistik hervor, die gestern publiziert wurde. Knapp 2500 Asylgesuche wurden gestellt, 150 mehr als im Vormonat, aber 1400 weniger als im Juli 2015. Das erklärt das Staatssekretariat für Migration (SEM) in erster Linie damit, dass markant weniger Asylbewerber aus Eritrea in die Schweiz kommen. In den ersten sieben Monaten des Jahres sind ungefähr halb so viele Eritreer in Süditalien gelandet wie im Vorjahr. Ausserdem werden laut SEM in Deutschland mehr Eritreer registriert als bisher.

Der starke Rückgang ist allerdings nur eine Momentaufnahme. Seit Jahresbeginn registrierte das SEM total 16 800 Gesuche – 1000 mehr als in derselben Periode des Vorjahres. «Der Grund ist, dass Anfang Jahr die Asylzahlen höher waren als in üblichen Wintermonaten. Wir verzeichneten überdurchschnittlich viele Asylsuchende aus Afghanistan, Syrien und dem Irak, die über die Balkanroute in die Schweiz gelangten», sagt Léa Wertheimer vom SEM.

Folgt man den Erläuterungen der Justizministerin, war der Rückgang im Juli aber kein Zufall. Die Zusammenarbeit mit Italien funktioniere heute besser als bisher. Konkret: Italien registriere heute deutlich mehr Migranten als bis anhin. Diese seien sich immer häufiger bewusst, dass ein Asylgesuch in der Schweiz deshalb aussichtslos sei, sagte Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Deshalb würden viele Migranten nicht hierbleiben wollen, sondern nach Deutschland oder Nordeuropa weiterreisen.

Hart ins Gericht ging Sommaruga mit den Dublin-Partnern: «Europa hat nach wie vor keine überzeugende Antwort auf die Herausforderungen in dieser Flüchtlingskrise.» Alle Dublin-Staaten müssten ihren Teil der Verantwortung übernehmen. Es brauche einen allgemeingültigen, dauerhaften Verteilschlüssel, nach dem die Flüchtlinge zugeteilt werden. Nur: «Diese Lösung wird sich höchstwahrscheinlich nicht durchsetzen», sagte Sommaruga.

‘La Svizzera non è un corridoio’

‘La Svizzera non è un corridoio’

Da LaRegione del 12 agosto 2016 | Norman Gobbi attendeva un cenno da Berna, e la consigliera federale Simonetta Sommaruga l’ha dato: «Segnale timido, ma c’è» – Incontro confidenziale con i prefetti di Como e Varese.

Lui, il ministro ticinese Norman Gobbi , si attendeva un cenno da Berna. Lei, la consigliera federale Simonetta Sommaruga , rimasta colpita dalla scena aperta di Como – «è difficile da sopportare» –, lo ha dato. «Simili condizioni in Europa non dovrebbero esistere», ha commentato ieri la ministra di Giustizia e polizia incontrando i media nella capitale. Molti migranti, ha osservato, «non vogliono presentare una domanda d’asilo in Svizzera, ma solo attraversare il Paese per recarsi in altri Stati europei, ma il nostro Paese non vuole diventare una via di transito». Per questioni di sicurezza «dobbiamo poter registrare chiunque entri in Svizzera, specialmente nell’attuale contesto. Dobbiamo sapere chi si trova qui da noi». Era il segnale che si attendeva?, chiediamo al consigliere di Stato. «Lo chiamerei un timido segnale. Che va nella giusta direzione. Ha confermato la realtà. Poteva essere un po’ più esplicita e chiara, anche per giungere ai media a noi vicini. Ciò aiuterebbe a ridurre la pressione alla frontiera. Anche perché – annota Gobbi – se lo dice un leghista è una cosa, se lo dice una consigliera federale, e socialista, ha un altro peso. Del resto, la Svizzera non può diventare un corridoio umanitario, perché non ci sarebbe lo sbocco a nord». La questione germanica? «Rispetto all’anno scorso le autorità tedesche hanno cambiato atteggiamento: hanno compreso che aprire le porte senza controllo crea dei problemi. Ricordo – esemplifica Gobbi – come a novembre 2015 ci fosse circa mezzo milione di migranti non registrati e questo ha creato preoccupazione e un rischio latente, che si evidenzia con i singoli casi successi». Per Sommaruga in Europa mancano soluzioni standard da applicare in comune. «Sappiamo che l’Italia non può permettersi gli standard che possono garantire Svizzera o Germania, ha altri problemi da risolvere come Stato-nazione – richiama Gobbi –. Va rilevato piuttosto che da parte anche delle autorità federali si condivide che la Confederazione non può essere e non è un corridoio di transito». Spostandosi di nuovo a sud, l’incontro con i prefetti di Como e Varese – anticipato da ‘laRegione’ di martedì – alfine c’è stato. E giusto mercoledì, quando è stato formalizzato il progetto di aprire a Rancate un centro temporaneo per migranti in procedura di riammissione semplificata in Italia (cfr. l’edizione di ieri). Gobbi si appella alla riservatezza. «È stato un incontro amichevole, di scambio reciproco di informazioni su quanto sta avvenendo nei rispettivi territori – si limita a confermarci il direttore del Di –. Io ho presentato il centro. Loro hanno illustrato quanto stanno approntando». Come si pensa di gestire la situazione a Como? «Non posso dirlo».

Rancate, chiesta ‘chiarezza’

All’indomani della conferma che il centro si farà, tre granconsiglieri pipidini – Maurizio Agustoni , Giorgio Fonio eLuca Pagani – hanno inoltrato un’interrogazione al Consiglio di Stato. “La maggior parte dei gruppi politici di Mendrisio ha accolto positivamente questa iniziativa – scrivono –, sottolineando in particolare il senso di responsabilità nei confronti di un’emergenza umanitaria sempre più drammatica”. La “disponibilità all’accoglienza è però legata alla piena trasparenza sulle condizioni in cui lo Stato garantisce il rispetto degli impegni umanitari”. Anche per questo motivo i tre deputati hanno deciso di chiedere “chiarezza sul futuro”, in considerazione del fatto che risulta essere “fondamentale che la popolazione di Mendrisio e del Mendrisiotto possa disporre in modo completo ed esaustivo delle informazioni riguardanti l’effettiva situazione nella regione”. Viene chiesto al Cantone quali saranno precisamente le funzioni della struttura, chi ha assunto l’iniziativa e chi si occuperà di gestione e sicurezza. Inoltre, Agustoni, Fonio e Pagani chiedono quante saranno le persone ospitate e per quanto tempo. Si domanda infine se il governo abbia considerato altre opzioni e quale prassi viene seguita quando si presentano migranti che intendono chiedere asilo, soprattutto se minori non accompagnati.

È lo ‘stato di necessità’

È lo ‘stato di necessità’

Da La Regione dell’11 agosto 2016 | Il Cantone ha decretato lo stato di necessità per il Mendrisiotto: snellite le procedure per creare un unico centro di accoglienza temporaneo a Rancate, che sostituirà tre impianti di Pci – Norman Gobbi: «Occorre abbassare i toni».

Il Mendrisiotto da ieri è in ‘stato di necessità’. Davanti a una situazione straordinaria il governo cantonale ha reagito con strumenti eccezionali. Il capo del Dipartimento istituzioni Norman Gobbi rimette, però, subito il campanile al centro del villaggio. «Per la vita dei momò non cambia nulla. Non significa che c’è una emergenza o una crisi – rassicura il ministro parlando a nome del Consiglio di Stato. E spiega –: Ciò ci permette di attivare entro l’inizio di settembre un centro unico temporaneo per migranti in procedura di riammissione semplificata in Italia, seguendo una procedura più snella e contenendo altresì i costi di allestimento». La struttura si sostituirà alle tre sedi di Protezione civile (Pci) di Chiasso, Vacallo e Coldrerio – Castel San Pietro è di riserva – che oggi accolgono le persone in attesa di essere riconsegnate alle autorità d’Oltrefrontiera. I posti a disposizione (150) non aumenteranno: «Non si creeranno un ‘Chiasso 2’ o un ‘Losone 2’». A cambiare sarà solo la loro ubicazione, sotto uno stesso tetto e lontano da «zone sensibili». Ovvero distanziati da centri abitati, scuole, case per anziani. Anche se, ammette lo stesso Gobbi, «sin qui nella gestione degli impianti non si sono registrati problemi di sorta». Nello stabile in via alla Rossa, nella zona industriale di Rancate, i migranti trascorreranno la notte che precede il loro rientro in Italia. Tutto sarà pronto per la fine del mese: gli Enti regionali di Pci provvederanno ad allestirlo sotto la supervisione del Cantone, che tramite la Polizia cantonale assicurerà la sicurezza esterna (all’interno sarà presente un servizio privato). Quanto alla Confederazione? Darà una mano nella gestione e nella copertura delle spese. Sulla ripartizione dei costi il consigliere Gobbi preferisce non sbilanciarsi, ma potrebbe avvicinarsi al 50%.

Nodo le entrate illegali

D’altro canto, davanti al numero delle entrate illegali – «fortemente aumentate nelle ultime sei settimane», ricorda il ministro – non si poteva restare a guadare. Non quando lo straordinario (come l’uso delle Pci) diventa la quotidianità e nel primo scorcio del mese si oltrepassa il totale dei soggiorni illegali di tutto l’agosto 2015. La misura attuata, in effetti, intende dare una mano pure a chi opera al fronte, a cominciare dalle Guardie di confine, che rischiano di dover distogliere l’attenzione da altre priorità (dal contrabbando alla criminalità transfrontaliera). Di fatto, annota ancora Gobbi, tra giugno e luglio gli sbarchi sulle coste dell’Italia del Sud non sono cresciuti. A salire è stata semmai la pressione alla nostra frontiera, bloccate le vie del Brennero e della Carinzia. «Questa è stata percepita come l’unica porta aperta verso il nord». I migranti, conferma, vi arrivano, per lo più, senza far capo ai passatori – molti sono senza un soldo –; in alcuni casi cercano un passaggio lungo la frontiera verde. Ma per i cittadini stranieri provenienti da Paesi extraeuropei, senza documenti e un visto Schengen o già registrati Oltreconfine, il viaggio finisce qui, o all’ombra della stazione San Giovanni a Como. «Chiariamo – sgombra il campo Gobbi –: agiamo nella legalità con le riammissioni semplificate, constatato che sono giunti dall’Italia. La Svizzera non viene meno al suo ruolo umanitario. Lo si vede dalle richieste d’asilo, raddoppiate in giugno e luglio rispetto all’anno scorso». Come dire che le leggi vengono applicate. A impensierire il Cantone, fa capire Gobbi, è altro. C’è apprensione per la situazione al di là del valico: «La problematica italiana, non facile e che comprendiamo, tocca anche noi». Come sono i rapporti con le autorità? «La collaborazione – ci risponde il ministro – non ha mai funzionato bene come oggi. Potrebbe capitare una corrente d’aria e che si cambi atteggiamento». Sulle riammissioni? «Rispetto ad anni passati in cui la situazione era anche molto difficile, ora si dimostra una grande disponibilità; si lavora 7 giorni su 7. E con i prefetti di Como e Varese ci sono contatti di amicizia». Diverso il clima politico interno. «Ci preoccupano certe posizioni contrapposte: penso ai vandalismi di oggi (ieri per chi legge, ndr) a una ditta di trasporti– precisa il direttore del Di –. Bisogna abbassare i toni; e lo dico anche ai miei».

LA CITTÀ – ‘Prevalso il senso di responsabilità’

Da subito l’autorità comunale di Mendrisio non si è tirata indietro. Ora, però, davanti alle garanzie consegnate dal Cantone, la Città è pronta a sottoscrivere la sua disponibilità ad accogliere a Rancate il centro temporaneo per migranti in procedura di riammissione semplificata in Italia. Non a caso ieri pomeriggio alla Protezione civile a Rivera, al tavolo con il ministro Gobbi e lo Sato maggiore cantonale immigrazione, presente il presidente del governo Paolo Beltraminelli, c’era l’esecutivo in corpore. «Il Municipio – ribadisce il sindaco Carlo Croci – condivide l’impostazione del Consiglio di Stato, volta a dare delle risposte e sicurezza ai cittadini di tutto il Mendrisiotto». Perché non è unicamente una questione del capoluogo. «Il tema della migrazione illegale nel distretto va affrontato e gestito, e non solo a parole, ma con fatti concreti», rilancia Croci. L’organizzazione oggi in atto convince. Ma con l’apertura delle scuole, a fine agosto, si potevano acuire certe sensibilità, si fa capire. La soluzione di Rancate, in zona alla Rossa, «è fuori dalla possibilità di entrare in contatto con le popolazioni, di Rancate e al contempo di Riva San Vitale, più vicina», illustra il sindaco. «Si tratta di una logistica chiusa. Da come ci è stato spiegato le persone saranno quasi in stato di detenzione. Abbiamo, in effetti, chiesto rassicurazioni anche sulla condizione umanitaria del centro». E ora l’autorità attende solo di veder definiti i dettagli dell’operazione, condotta, peraltro, fa notare il vicesindaco Samuel Maffi , con trasparenza. «I contatti con il Cantone sono stati immediati. E fin dal primo sopralluogo abbiamo domandato assicurazioni minime, quanto a sicurezza interna ed esterna e alla Legge edilizia e quanto alla temporaneità della struttura». Richieste soddisfatte e sfociate poi nel preavviso favorevole del Municipio. «Per finire – annota ancora Maffi – ha prevalso il senso di responsabilità verso la cittadinanza di Mendrisio e del Mendrisiotto». Regione con la quale Palazzo delle Orsoline ha tenuto aperto un canale di comunicazione. A cominciare dai Comuni (ieri a Rivera era presente la capodicastero Sicurezza pubblica di Chiasso Sonia Colombo-Regazzoni) sede degli impianti di Pci in prima linea.

Una frontiera sotto i riflettori

Sulla realtà dei migranti alla frontiera meridionale della Svizzera si sono accesi i riflettori anche della stampa d’Oltregottardo. Ieri sia sul ‘Tages Anzeiger’ che sulla ‘Nzz’ si parlava dell’accampamento cresciuto all’ombra della stazione di Como e di quanto si sta vivendo lungo il confine. I numeri delle persone fermate e riconsegnate alle autorità italiane nelle ultime settimane, del resto, parlano da soli. Tant’è che pure nel mondo politico, cantonale e no, si è alzata l’attenzione per quella che viene percepita come una emergenza umanitaria. Sempre dal ‘Tagi’ si apprende che il consigliere di Sato Manuele Bertoli, il presidente del Ps Igor Righini, il capogruppo socialista in Gran Consiglio Ivo Durisch e altri esponenti, martedì, hanno voluto vedere da vicino il campo profughi improvvisato a San Giovanni e nei giardini sottostanti. Luoghi scenario di una situazione che preoccupa, peraltro, Anja Klug, direttrice dell’Ufficio dell’Alto commissariato per i rifugiati in Svizzera, intervistata dal ‘Tagi’ e convinta che quanto si sta consumando a Como non possa essere lasciato unicamente all’iniziativa di volontari. Serve, insomma, un centro di accoglienza ufficiale in grado di assicurare un’assistenza adeguata a quanti fuggono da guerre e disperazione. Per gestire la presenza dei migranti, circa 500, alla stazione, oltreconfine si stanno trasferendo gli adulti verso l’Italia del Sud su degli autobus. Una prassi a cui ha assistito pure Lisa Bosia Mirra, presidente di Firdaus. Si stima che siano stati almeno 250 i migranti spostati a Bari, Taranto e in Sicilia. Si ipotizza altresì che chi viene respinto a Chiasso possa cercare accoglienza a Milano, in affanno.

Da Locarno al confine di Chiasso

Da Locarno al confine di Chiasso

Editoriale di Bruno Costantini, dal CdT dell’11 agosto 2016 | «Anche se le responsabilità stanno altrove, non possiamo fare finta di nulla: non dovremo essere ingenui e dovremo vigilare affinché la Confederazione non faccia con il Ticino ciò che l’Unione europea fa con l’Italia».

Nella mondanità nostrana li si trovano ovunque, belli, lisciati, con il bicchiere e il piatto in mano, quell’aria glamour da provincia soddisfatta (nonostante i continui lamenti contro quelli che ci ruberebbero il pane), il tocco sciallo-casual, lo sguardo apparentemente vispo, a volte svaporato tra le bollicine dell’ultimo brut. Ma sono trendy, nel luogo giusto al momento giusto. Sono lì, piacciono alla gente che piace. Sono loro, sono ovunque: sono i politici. Il Festival internazionale del film di Locarno, con i suoi diversi ricevimenti, i suoi luoghi di socializzazione spontanea da dove spedire tweet e selfie, il suo red carpet in piazza Grande, è una passerella imperdibile in questi giorni. La gente del Pardo ha tutto l’interesse a ingraziarsi la gente del Palazzo; la gente del Palazzo ha tutte le ragioni per andare a vedere come la gente del Pardo, pur con piena autonomia artistica, spende il denaro pubblico. E ci sta: l’unicità e l’internazionalità di Locarno, al di là dei riti scontati e consumati che fanno parte del copione qui come in qualsiasi altro Paese, hanno oggi finalmente archiviato l’annoso e noioso dibattito sui rapporti tra la rassegna e il suo territorio, anche quando, come successo nelle scorse edizioni, s’è scatenata qualche polemica. Tutti, o quasi, sono presenti. Chi non lo è, avrà sicuramente giustificati motivi: sarà su spiagge esotiche a leggere un buon libro (preferibilmente un saggio sul tramonto dell’Occidente), o in cima a una vetta per rovistare nell’intimo di se stesso (cioè in quello che la saggezza popolare definisce «spazzacà in disurdin»), o in viaggio culturale per il mondo alla scoperta dell’altro, che poi basterebbe andare a Ponte Chiasso, nemmeno a Como, per farsene un’idea. Qualcuno l’ha fatto. E infatti, l’evoluzione di quanto sta avvenendo alla frontiera, con la pressione di centinaia di migranti provenienti dall’Italia, impegna anche la politica in trasferta al Festival. Alla vigilia della decisione per il centro unico di Rancate, sul red carpet incontriamo il direttore del Dipartimento delle istituzioni Norman Gobbi, pensieroso sulle garanzie, anche finanziarie, attese da una Confederazione non sempre in chiaro sulla reale portata di quanto succede al confine sud del Paese e sui compiti che il Ticino svolge a beneficio dell’intera Svizzera, come dimostrano i numeri crescenti sui respingimenti forniti dalle Guardie di confine. Ieri la decisione ufficiale è stata comunicata dal Consiglio di Stato.

Tanto per evitare equivoci, a Rancate non ci sarà un centro per richiedenti l’asilo, ma un centro unico (anziché gli attuali tre, più uno di riserva, nelle sedi della Protezione civile) per accogliere temporaneamente (una notte) i migranti che non intendono chiedere l’asilo in Svizzera, ma che vogliono raggiungere il nord Europa, e che pertanto devono essere riammessi in Italia con procedura semplificata. È difficile immaginare come una simile struttura chiusa, che rimarrà attiva soltanto sino a quando il fenomeno si sarà esaurito, possa rappresentare una minaccia per la popolazione. Il surreale polverone sollevato dal gruppo Lega-UDC-Indipendenti di Mendrisio è uno psicodramma pretestuoso, un modo come un altro per segnare il proprio territorio elettorale locale anche a costo di smentire il proprio consigliere di Stato, certamente non sospettabile di essere uno «spalancatore di frontiere», in un gioco delle parti ben conosciuto tra leghisti, ma poco utile per trovare soluzioni razionali e coerenti. Il buonismo e l’esibizionismo parolaio politicamente corretti non risolvono ma nascondono i problemi; le polemiche artificiose, invece, offuscano le menti (magari già un po’ labili, su un fronte e sull’altro) e creano un clima che fa perdere di vista la realtà. Una realtà che il direttore del Dipartimento delle istituzioni, che ha invitato anche i suoi colleghi di partito ad abbassare i toni, e il Municipio di Mendrisio hanno deciso di affrontare con pragmatismo, di fronte a una situazione straordinaria che non può essere ignorata dal lato della gestione del flusso di persone che cercano di varcare la frontiera e da quello umanitario. A Como, provenienti dallo snodo centrale di Milano, arrivano famiglie, molti giovani, mamme con bambini piccoli, che fatichiamo a identificare tutti come sfaccendati, un po’ delinquenti, in viaggio di piacere. D’altra parte, la solidarietà transfrontaliera dal Ticino verso queste persone si è già attivata sul terreno, in particolare dopo l’appello dell’arciprete di Chiasso don Gianfranco Feliciani, le cui parole possono piacere o non piacere, ma hanno sempre il pregio di essere conseguenti nei fatti.

Certo, il problema riguarda l’Italia, lasciata sola da un’Unione europea la cui politica in materia di migrazioni rivela il suo totale fallimento (con l’ipoteca dei tre milioni di profughi che la Turchia minaccia di espellere se saltassero i suoi accordi con Bruxelles). Sconcerta, poi, la proposta di quel consigliere regionale lombardo del PD che, non si sa se per ignoranza o per furbesco scaricabarile, ha chiesto alla Svizzera di aprire un corridoio umanitario verso il nord Europa: una vera assurdità considerato che la Germania respinge i migranti illegali che si ritroverebbero così sul nostro territorio in un «cul de sac», come ha opportunamente commentato Gobbi.

In questo contesto, anche se le responsabilità stanno altrove, non possiamo fare finta di nulla. Non dovremo essere ingenui e dovremo vigilare affinché la Confederazione non faccia con il Ticino ciò che l’Unione europea fa con l’Italia. Il rispetto delle nostre leggi, la garanzia dell’ordine e della sicurezza per la nostra popolazione, sono valori sui quali non si può transigere, tuttavia nulla hanno a che vedere con la volontà di trovare la soluzione per gestire nel miglior modo possibile le conseguenze, su terra elvetica, di un problema anche umanitario che abbiamo a pochi metri da casa nostra. Altre bollicine?

Rancate, sì al centro migranti

Rancate, sì al centro migranti

Da RSI.ch, servizio del Quotidiano e del Telegiornale del 10 agosto 2016 | Saranno ospitati in modalità temporanea nella zona industriale gli stranieri in attesa di riammissione in Italia

Link ai video: http://www.rsi.ch/g/7858016

Il Centro unico temporaneo per migranti in procedura di riammissione in Italia con sede a Rancate sarà attivato. Un comunicato stampa del Consiglio di Stato nella serata di mercoledì ha chiarito alcuni particolari di questa decisione, taluni trapelati già nel primo pomeriggio.

La struttura, che sarà operativa dalla fine di agosto, verrà ricavata da un capannone in disuso della zona industriale e sarà gestito completamente dal cantone, cofinanziato dalla Confederazione e soprattutto sarà provvisorio. Tema, quest’ultimo, che ha suscitato notevoli polemiche politiche nei giorni scorsi fino ad una raccolta firme da parte di UDC e Lega dei Ticinesi. Gli ospiti godranno dell’alloggio per una notte ed è per coloro che si trovano in attesa di riammissione semplificata in Italia, che non hanno formulato domanda d’asilo in Svizzera. Al contrario, il centro non supplisce in alcun modo all’accoglienza di richiedenti l’asilo.

“L’apertura della struttura di Rancate, si legge nel comunicato arrivato da Bellinzona, è in grado di rispondere alle attuali esigenze, di agevolare le questioni logistiche, di accelerare i lavori di riammissione, di migliorare la sicurezza, nonché di tenere in considerazione le necessità della popolazione e le richieste delle autorità federali”. La struttura andrà a sostituire e si farà carico dei compiti fino ad ora assunti dalle infrastrutture decentralizzate della Protezione Civile utilizzate nelle scorse settimane, rispettivamente di Chiasso, Vacallo, Coldrerio e Castel San Pietro.

Migranti a partire da fine agosto

Migranti a partire da fine agosto

Dal Corriere del Ticino dell’11 agosto 2016 | Confermato il progetto di centro unico a Rancate: accoglierà per una notte i profughi in attesa del rinvio in Italia – Giunte chiare garanzie su sicurezza e condizioni umanitarie, Norman Gobbi: «Lo facciamo per il Mendrisiotto».

Il centro unico a Rancate per alloggiare i migranti in attesa di essere riammessi in Italia si farà e potrà accogliere fino a 150 persone. A partire da fine agosto – «la struttura sarà agibile al più tardi la sera del 27 agosto» ha garantito il consigliere di Stato Norman Gobbi durante la conferenza stampa organizzata ieri in serata a Chiasso – sostituirà le protezioni civili di Chiasso, Vacallo, Coldrerio e Castel San Pietro utilizzate attualmente e ubicate in zone sensibili dei paesi.

Le conferme sono giunte dopo un summit tra gli attori coinvolti, in particolare Dipartimento delle istituzioni e Municipio di Mendrisio, che si è tenuto ieri pomeriggio nella sede della PCi di Rivera. Incontro seguito da una conferenza stampa.

«Il nuovo centro semplificherà le questioni logistiche, razionalizzerà i costi di gestione, migliorerà la sicurezza e terrà in considerazione le necessità della popolazione e le richieste di Mendrisio» ha spiegato Gobbi. In effetti, sin dal suo primo contatto con il Cantone, l’Esecutivo del capoluogo ha chiesto delle garanzie, prima su tutte la lontananza della struttura dagli abitati e dalle zone sensibili. E di contatti con la popolazione infatti non ce ne saranno. I migranti che alloggeranno per una notte al centro saranno quasi in un regime di detenzione: «Ci saranno un dispositivo di sicurezza interno (garantito da una ditta privata) ed esterno (dala polizia), inoltre l’area sarà videosorvegliata. Capisco i timori, ma dobbiamo un po’ abbassare i toni, lo dico anche ai miei colleghi di partito – ha proseguito Gobbi facendo riferimento alla petizione lanciata nei giorni scorsi nel distretto – . Lo stiamo facendo per il Mendrisiotto».

Da parte del Municipio invece «è prevalso il sentimento di responsabilità nei confronti della popolazione del Mendrisiotto» ha spiegato il vicesindaco Samuel Maffi . «Abbiamo chiesto sin da subito garanzie – ha invece detto il sindaco Carlo Croci – anche umanitarie. Il Municipio a Rivera era presente al completo, questo testimonia l’attenzione che abbiamo riservato al dossier».

Il progetto, economicamente di responsabilità cantonale, sarà parzialmente sostenuto dalla Confederazione, sia per quanto concerne l’investimento, sia per i costi di gestione. Le cifre restano però segrete.

LA SITUAZIONE – «Non c’è emergenza e nemmeno crisi, è stato decretato lo stato di necessità»

«Ad oggi non c’è emergenza, non c’è crisi: c’è invece uno stato di necessità». Durante la conferenza stampa indetta ieri a Chiasso, il consigliere di Stato Norman Gobbi ha tracciato il profilo della situazione attuale relativa ai migranti. Le cifre riguardanti gli sbarchi in Italia non parlano di un aumento importante: la situazione è pressoché uguale allo stesso periodo dello scorso anno. La pressione è però aumentata alla frontiera tra Italia e Svizzera a causa della chiusura dei confini a Mentone e al Brennero. «La Svizzera è percepita come l’unica porta aperta verso il Nord. Nonostante le informazioni circolate finora infatti non è corretto dire che i valichi in Svizzera sono chiusi: di fatto le richieste d’asilo quest’anno sono raddoppiate rispetto al 2015», ha spiegato Gobbi. È così dunque che molti dei flussi migratori si sono fatti strada lungo l’Italia fino ad arrivare a Milano e a Como, nel tentativo di riuscire a passare i valichi con successo. «Il numero di ingressi illegali è aumentato nelle ultime sei settimane – ha detto il consigliere di Stato – lo dimostrano le cifre della Regione IV delle guardie di confine, dove giornalmente si registrano le entrate di cittadini provenienti dall’Africa o dall’Asia sprovviste di un documento di identità valido». Se nel mese di giugno dello scorso anno gli ingressi illegali registrati dalla Regione IV sono stati 1.835, nello stesso mese di quest’anno sono saliti a 3.487, con un un aumento del 90%. La crescita è poi del 274% se si confrontano le cifre del mese di luglio (nel 2015 ci furono 1.679 entrate illegali, nel 2016 se ne sono registrate 6.289). E nei soli primi dieci giorni di agosto quest’anno sono entrate illegalmente in Ticino 2.018 persone, 370 in più rispetto a quelle fermate lo scorso anno in tutto il mese.

«Serve fare chiarezza»

«Finora si è fatta un po’ di confusione tra i concetti di richiedente l’asilo e migrante in attesa di riammissione semplificata», ha puntualizzato Gobbi. I primi infatti non avranno nulla a che vedere con il centro previsto a Rancate (vedi articolo a lato): si tratta di persone che confermano oralmente di voler depositare una richiesta d’asilo. «Non bastano bigliettini redatti a mano. La domanda deve essere formulata verbalmente», ha precisato il direttore del Dipartimento delle istituzioni. In seguito alla registrazione da parte della Segreteria di Stato della migrazione (SEM), i richiedenti l’asilo vengono spostati in strutture federali (come quella di Chiasso o quella di Losone) e in seguito attribuiti ai cantoni secondo una chiave di riparto. «A differenza di queste persone, i migranti in attesa di riammissione semplificata in Italia non chiedono asilo in Svizzera» ha chiarito Gobbi.

Container a Como

Intanto il Ministero dell’interno italiano ha ufficializzato ieri la decisione di inviare a Como container attrezzati, con bagno e posti letto, per la gestione dei migranti. Non si sa ancora quando e dove saranno posizionati, ma è certo che sarà individuato un luogo a ridosso della stazione, e che i tempi non dovrebbero essere lunghissimi. Amnesty International nel frattempo ha chiesto spiegazioni a Berna dopo informazioni secondo cui sono stati respinti dei bambini che volevano raggiungere i propri genitori in Svizzera.